Die Kläranlage heizt Jegenstorf

Duschen, abwaschen und spülen für Jegenstorf: Dort entsteht dieses Jahr ein Wärmeverbund, der seine Energie aus der ARA Holzmühle bezieht.

4. März 2015 Von: Peter Steiger, (BZ)

7,4 Kilometer Leitungen. (Bild: Grafik nid/ QuelleOpenStreetMap

Urs Gnehm leitet die Localnet AG. (Bild: Thomas Peter)

Erst wenn die Bagger die Gräben ausheben, animiert dies manche Anwohner, sich für die Fernwärme zu interessieren. Dass die Maschinen fahrende Werbung sind, hat Urs Gnehm erfahren. Er ist der Direktor der Localnet AG. Sein Unternehmen in Burgdorf plant in Jegenstorf einen Wärmeverbund.

Einzige Anlage im Kanton

Die Energie für dieses Projekt liefert eine bereits bestehende Heizzentrale bei der Abwasserreinigungsanlage Holzmühle am Urtenenbach. Sie profitiert von der Abwärme und von den Klärgasen der ARA. Bereits seit 2013 arbeitet diese Grossheizung für einen Verbund in Hindelbank. Wärme aus dem zu produzieren, was unsere Zivilisation ausstösst, ist ein neues Verfahren: Localnet nutzt bisher als einziges Unternehmen im Kanton Bern diese Technik.

Indem die Bevölkerung duscht, abwäscht und spült und die Industrie Abwasser einspeist, wird es in Hindelbank zurzeit in 59 Liegenschaften warm: in Privathaushalten, Gewerbebetrieben und öffentlichen Gebäuden. Die Heizzentrale ist damit noch nicht ausgelastet. Sie produziert im Endausbau für beide Dörfer insgesamt ungefähr 5100 Kilowatt. Umgerechnet könnte sie mehr als 500 Einfamilienhäuser versorgen.

Beide Schulhäuser

In Hindelbank misst das Leitungsnetz 3,4 Kilometer. In Jegenstorf sind ungefähr 4 Kilometer geplant. Die Bauarbeiten für diesen Ast beginnen im Frühling. Ab Herbst können die Kunden Energie für Heizung und Warmwasser beziehen. Das Jegenstorfer Projekt ist auf 2800 Kilowatt ausgelegt.

Für 70 Prozent dieser Leistung hat Localnet bereits Verträge. Unterschrieben haben Besitzer von Überbauungen und die Gemeinde, die so ihre Schulhäuser Säget und Gyrisberg versorgt. «Wir rechnen damit, dass wir für mindestens weitere 20 Prozent Abnehmer finden», so Gnehm. «Wir vertrauen dabei allerdings weniger auf die Werbewirkung der Bagger, sondern auf unsere Leistungen», sagt er.

Vorerst teurer als Öl und Gas

Die Anlage erzeugt die Energie hauptsächlich über Wärmepumpen aus dem Klärwasser und mit Faulgasen. Bis auf den Strom ist dies gratis. Doch als Ergänzung muss Localnet Gas kaufen. Weitere Kosten verursachen die Anlagen und deren Unterhalt. Localnet kalkuliert mit einem mehrstufigen Tarifsystem. Im Jegenstorfer Netz bezahlen die Abnehmer für die Kilowattstunde 15 bis 16 Rappen. Beim jetzigen tiefen Ölpreis ist dies 10 bis 20 Prozent teurer, als wenn die Besitzer ihre Liegenschaften mit Öl oder Gas beheizen würden.

Man könnte dies einen Umweltzuschlag nennen. Gnehm: «Unser Verbund liefert ökologisch einwandfreie Energie. Voll ausgebaut vermindert das Jegenstorfer Projekt den CO2 um 1500 Tonnen im Jahr.» So weit, so grün. Die Wärme aus der Kläranlage freut damit Umweltbewusste. Künftig könnte sie auch jene ansprechen, die nach der günstigsten Variante suchen. Urs Gnehm: «Wir gehen davon aus, dass die Kosten für Heizöl stärker steigen als unsere Fernwärmepreise.» 


Quelle: Berner Zeitung 10.02.2015


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